Reisenotizen meiner Kanada-Reise im Oktober 2002

Übersicht der Reise

Map of my journey

Montag, 30. September 2002

Orte: Stuttgart, Amsterdam, Montreal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

11:00 Uhr Treffen mit Rainer am Flughafen Stuttgart. Check-In, Abflug um 12:40 Uhr (KLM Cityhopper). Ankunft 14:00 Uhr in Amsterdam. Anschlussflug mit KLM Royal Dutch Airline planmäßig 16:10 Uhr. Der Flug hatte Verspätung, weil ein Lastwagen (einer vom Flughafen) ein Flugzeug am Gate beschädigt hat und daher das Flugzeug ausgetauscht werden musste. Dann noch weitere Verspätung, weil der Kopilot seinen Reisepass vergessen hatte und erst ein Ersatz-Kopilot angefordert werden musste. Wie kann so etwas nur passieren? Abflug dann 17:35 Uhr. Flugzeit 6 h 25 min, Ankunft um 18:00 Uhr Ortszeit (6 h Zeitverschiebung) in Montreal. Dort haben wir noch auf dem Flughafen Jens Krinke getroffen, der mit einer anderen Maschine aus Toronto angekommen ist. Wir sind dann zusammen mit einem Taxi zuerst zu Jensens Unterkunft und dann zu unserer. Dann sind wir früh ins Bett, da der Tag lang genug war. Bäh, das Bett ist zu kurz für mich! Meine Füßen hängen unten in der Luft, wenn ich mich ausstrecke. Naja, egal, mach ich mich halt ein wenig klein.

Dienstag, 1. Oktober 2002

Ort: Montreal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

Frühstück bei uns im Haus ("Bed and Breakfast"; der Tag für zwei Personen inkl. Frühstück kostet 115 can$ inkl. GST, oder besser gesagt, vorbei an der GST). Dann sind wir teils zu Fuß, teils mit dem Bus in die Downtown. Es sind 2.25 can$ *abgezählt* und in Münzen nötig, um Bus zu fahren. Der Bus hält an jeder Kreuzung direkt vor der Ampel. Die Leute stellen sich an der Bushaltestelle in einer Reihe auf und man stellt sich hinten an, wenn man an der Kreuzung ankommt. Irgendwie seltsam, wenn man deutsche Verhältnisse gewöhnt ist. Dann haben wir den SCAM (Source Code Analysis and Manipulation) Workshop bei CRIM von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr mit Pausen für Essen und Trinken besucht. Abschließend Essen (a la Stehempfang) bei CRIM. Danach sind wir heimgelaufen. Wir sind dann noch einmal meinen Vortrag zu Hause durchgegangen. Ich hab in der Nacht extrem schlecht (sprich: fast gar nicht) geschlafen.

Mittwoch, 2. Oktober 2002

Ort: Montreal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

Frühstück bei uns im Haus. Maryline hat ein sehr gutes und sehr reichhaltiges Angebot! Danach sind wir wieder mit dem Bus zu CRIM. Es stellt sich schnell als Problem heraus, immer 2.25 can$ parat zu haben. Maryline hat uns ein Fahrrad besorgt und will noch ein weiteres besorgen. Im Rahmen von SCAM war dann bei CRIM die "Birds of a Feather Session: Workshop on Software Clone Detection". Zuerst waren da die Vorträge von Ettore Merlo, Toshihiro Kamiya, Ira Baxter und Jens Krinke und dann kam am Nachmittag meiner. Anschließend lange Diskussion zur Fortführung der Ergebnisse. Danach sind wir noch indisch essen gegangen. Dann hat es angefangen zu regnen. Aber es war nicht kalt und der Regen war nicht einmal unangenehm. Wir sind trotzdem mit dem Bus nach Hause gefahren, da sonst die Kleidung nass wird und das ist auf Reisen nicht so toll. Wegen des Essens kamen wir relativ spät zu Hause an.

Donnerstag, 3. Oktober 2002

Ort: Montreal
Sehenswürdigkeiten: Vieux Montreal, Vieux Port, Mont Royal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

Ausgeschlafen, dann wieder Frühstück bei uns im Haus, anschließend mit Rainer zu CRIM gefahren. Habe noch keine Instruktionen bezüglich meiner Aufgaben als "Volunteer" erhalten. Es hieß, ich sollte irgendwann zwischen 13:00 und 16:00 Uhr wiederkommen. Dann hab ich mit Rainer Vieux Montreal angeschaut: ein paar alte Gebäude. Dann haben wir Vieux Port angeschaut. Es war windig, wie am Meer, und der Lawrence River hat eine außerordentlich starke Strömung. Dann haben wir in Chinatown zu Mittag gegessen. Es war ein Selbstbedienungsrestaurant mit "All You Can Eat"-Stil, aber unwahrscheinlich nobel eingerichtet. Dann sind wir zum Holiday Inn, damit ich endlich meine Aufgaben als "Volunteer" erhalte und planen kann. Ich habe dann auch tatsächlich Anweisungen erhalten (Rainer ist dann heimgegangen): Die nächsten drei Tage von 7:00 Uhr bis x Uhr im Einsatz. Daher hab ich noch Montreal in der anderen Richtung als am Vormittag angeschaut. Ich habe auch viel Geld ausgegeben: eine Calling Card gekauft (5 can$ + GST) und dann sechs Tickets für die Busse gekauft (9 can$ inkl. GST, macht dann nämlich nur 1.50 can$ pro Fahrt, man spart also ungemein), so dass das tägliche Suchen nach 2.25 can$ entfällt. Schließlich hab ich noch die Drummond Street und die Hertz-Niederlassung dort gesucht (und gefunden). Als ich dann noch zehn Postkarten gekauft habe (etwas über 10 can$, die Dinger sind teuer!), hab ich wieder ein Problem erkannt: keiner hat internationale Briefmarken. Erst im vierten Laden bin ich fündig geworden (6 Stück für 7.50 can$ + GST). Man merkt, welch ein Durcheinander das ist mit den Auszeichnungen der Preise: Einmal mit GST, einmal ohne. Und wenn das noch nicht alles wäre, hier gibt es mehrere Steuern auf den selben Artikel. Auf den Kassenzetteln steht dann so etwas wie "Tax 1" und "Tax 2" untereinander drauf. Völlig wirr! Ich rechne hier aber immer mit den Preisen ohne Steuer und denen mit Steuer, fasse also Steuern zusammen. Anschließend bin ich über den Mont Royal nach Hause gelaufen. Beim Aufstieg habe ich Black Squirrels gesehen. Entgegen meiner Vermutung sind die nicht scheu. Im Gegenteil: Wenn man die Linse der Kamera auf sie richtet, hauen sie nicht ab, sondern kommen sogar noch näher her. Vom Mont Royal aus hat man eine wunderbare Aussicht auf Montreal (ich hab herrliche Abendsonne erwischt!). Bin 17:30 Uhr zu Hause angekommen und hab die zehn Postkarten geschrieben.

Freitag, 4. Oktober 2002

Ort: Montreal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

6:00 Uhr aufgestanden. Kein Frühstück, da Maryline so früh noch nicht aufsteht (verständlich!). 7:00 Uhr am Holiday Inn, um die Tagesanweisungen als "Volunteer" zu erhalten. Habe dann an der Anmeldung neu ankommende Konferenzteilnehmer für die ICSM (International Conference on Software Maintenance) registriert. Komische Organisation: Es fehlt an vielen Dingen, Vieles ist nicht vorbereitet etc. Manche (bei weitem nicht alle!) der anderen "Volunteers" scheinen es auch nicht so genau mit dem anwesend sein zu nehmen. Dann habe ich irgendeine besondere Kebab-Art (Shish Kebab, gibt es da ziemlich oft zu finden) zu Mittag gegessen. Da ist im Untergeschoss eines Kaufhauses ein Ess-Bereich. In der Mitte sind Tische und Stühle, und außen herum sind verschiedene Theken angeordnet. Das nennt sich "Food Court". Dort gibt es italienisch, mexikanisch, indisch, türkisch etc. Nach dem Mittagessen habe ich dann bei zwei "Technical Sessions" in der Konferenz zugehört. Nicht so umwerfend. Danach hab ich noch mit Toshihiro und Josh über japanische Schrift und Bedeutungen von Wörtern geredet. Danach zu Fuß wieder nach Outremont, de l'Epee gelaufen. Dauert etwas über 35 min, wenn man strammen Schrittes ohne Pause durchläuft. Habe die übrigen Kornflakes vom Frühstück gegessen, denn auf der Konferenz werden "Volunteers" nicht gerade gemästet: Man erhält nichts von den Dinnern, lediglich bei den Kaffeepausen darf man sich etwas nehmen.

Samstag, 5. Oktober 2002

Ort: Montreal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

7:30 Uhr aufgestanden und gefrühstückt. Mit Bus zum Holiday Inn gefahren. Um 9:00 Uhr Keynote von Jon Pincus von Microsoft angehört. War eine Rede über die Tools und Methoden, die Microsoft in der Entwicklung von Software nutzt. Nicht viel Neues dabei, aber Jon Pincus scheint sehr fähig und intelligent zu sein (also nicht so, wie man sich einen Microsoft-Angestellten klischeehaft vorstellt). Danach war ich ab 11:00 Uhr "Technical Assistant" einer Session. In der Mittagspause bin ich sogar beim normalen Mittagessen für Konferenzteilnehmer dabei gewesen. Danach war ich nochmals "Technical Assistant" bei zwei Sessions. Ab 18:00 Uhr dann Ende des "Dienstes". Ab 19:30 Uhr das offizielle Konferenzdinner, bei dem ich auch dabei sein durfte (wow!). Das Essen war sehr gut: Vier Gänge plus Kaffee. Nebenher hat eine Gruppe gespielt. Nach dem Essen hat sie zum Tanzen aufgefordert. Entgegen meiner Einschätzung haben dann auch extrem viele mitgemacht. Der Frauenanteil war erstaunlich hoch. Die verschiedenen Tänze waren sehr unterhaltsam anzusehen (Ettore Merlo und Guiliano Antoniol haben mit Begeisterung mitgemacht). Wenn man ein Paper von einer Person liest, die da mitgetanzt hat, wird man in Zukunft wohl unweigerlich an die Figur erinnert, die diese Person beim Tanzen gemacht hat. Man merkt aber in Nordamerika, wie man "herausgeworfen" wird, sobald der offizielle Teil vorbei ist. Die Kellner nehmen einem förmlich das Glas aus der Hand; nicht ganz: man stellt es kurz ab, und dann wird es mitgenommen. Kein Witz! Wir sind bis fast 23:30 Uhr geblieben und dann mit dem Bus heimgefahren. Dann hab ich meine Postkarten eingeworfen (hatte ich bisher nicht gemacht, da ich sie nicht mit mir herum tragen wollte und in der Nähe vom "Bed and Breakfast" keinen Briefkasten gefunden hatte).

Sonntag, 6. Oktober 2002

Ort: Montreal
Sehenswürdigkeit: Mont Royal
Übernachtung: Maryline's Bed and Breakfast, Montreal/Outremont (115.00 can$ für 2 Personen)

7:30 Uhr aufgestanden und gefrühstückt. Mit Bus zum Holiday Inn gefahren. Um 9:30 Uhr mit Cyril die Technik im Saal aufgebaut. Dann hab ich die "Technical Session" zum Thema Reengineering (mit Rainer als "Session Chair") angehört. Es gab kein Mittagessen, daher waren wir im hoteleigenen Restaurant "ACE" essen. Ich hab einen "ACE Special" (das war ein Hamburger zum Zusammenlegen mit Pommes und Krautsalat) gegessen. War viel (als ich Hamburger gelesen habe, dachte ich an weniger), aber sehr gut. Danach hab ich noch eine "Technical Session" besucht. Dann war Konferenzende. Hab mich von dem einen oder anderen verabschiedet (Ettore, Guiliano, Iphigenie, Justyna, Anne, Cyril etc.). Danach bin ich mit Rainer, Jens und Jörg noch auf den Mont Royal. Rainer musste früher gehen, da er mit anderen um 18:30 Uhr zum Essen verabredet war. Jens, Jörg und ich sind noch etwas länger geblieben. Dann hab ich mich aber auch von den zweien verabschiedet, da sie in die andere Richtung zurück zum Hotel mussten, ich aber einen anderen Weg vom Berg herunter gewählt habe. Bin dann um 19:30 Uhr dann am "Bed and Breakfast" gewesen und habe mit Maryline noch wegen Abreise geredet: Es ist kein Problem, bis 15:00 Uhr oder länger zu bleiben. Wir sollen dann einfach die Schlüssel in den Briefkasten werfen. Cool.

Montag, 7. Oktober 2002

Orte: Montreal, Ottawa
Sehenswürdigkeiten: Pont-Jaques-Cartier, Ile-Sainte-Helene, Biosphere
Route: 40 Ouest (Distanz: 70 km)
417 West bis Ottawa/Vanier (Distanz: 120 km)
Gesamtdistanz: 190 km
Übernachtung: Motel Concorde, Ottawa/Vanier (61.60 can$)

8:00 Uhr aufgestanden und extrem gemütlich gefrühstückt. Letzter Tag in Montreal. Ich hab nach dem Frühstück alles zusammengepackt. Dann (so kurz vor 11:00 Uhr) mit Rainer in Richtung Ile-Sainte-Helene losgelaufen. Bis wir die Brücke Pont-Jaques-Cartier erreicht hatten, dauerte es mal bis nach 12:30 Uhr und dann mussten wir noch etwas zurück, da wir den "Aufstieg" verpasst hatten. Auf der Brücke war es *extrem* windig! Auf der Insel ist die Biosphere. Rainer wollte dort ein Ticket lösen und sich alles anschauen. Ich meinte, dass es zu knapp werden würde, da es bereits 13:30 Uhr war und ich um 15:00 Uhr das Auto abholen musste. Wir hatten uns am Morgen von Maryline zwei Schlüssel geben lassen, so dass ich umkehren konnte und Rainer konnte sich die Biosphere anschauen. Ich bin dann zurück und 14:55 Uhr bei der Hertz-Niederlassung angekommen. Habe einen schmucken Ford Focus (Kilometerstand 14628) bekommen. Mit allem Schnick-Schnack. Dann bin ich zum "Bed and Breakfast" gefahren. Alleine die Fahrt hat mich an einer Stelle einen Umweg gekostet, da man nicht an jeder Kreuzung links abbiegen darf, was ich als Fußgänger gar nicht bemerkt hatte. Also biegt man um den nächsten Block drei Mal rechts ab, dann ist man auch wieder da, wo man hin will. Dauert halt länger. Ich war dann noch etwas einkaufen (man will ja nicht verhungern) und hab im Haus noch etwas gegessen. Ich hab mir eine 2 l Flasche "Vanille Coke" gekauft. Rainer und ich hatten die uns schon einmal angeschaut und gemeint, dass man doch mal testen sollte, wie Cola mit Vanille-Geschmack schmeckt. Gar nicht übel, kann ich da nur sagen, auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag, wenn man es noch nicht probiert hat. Als ich dann alles eingeladen hatte und losgefahren bin, war es 16:30 Uhr. Bis ich endlich auf die "40 Ouest" gekommen bin, war es 17:00 Uhr, es hat also eine halbe Stunde gedauert (habe wieder dreimal den "Um-den-Block"-Trick anwenden müssen). Auf der 40 Richtung Westen war zuerst derart viel Verkehr, dass ich richtig Sorge hatte, dass es zu langsam vorwärts geht (so ca. 60 km/h und ab und zu Stop-And-Go). Aber das war noch das Einzugsgebiet von Montreal. Nach dem Flughafen Dorval hat sich der Verkehr normalisiert und nach ein paar weiteren Kilometern war fast kein Auto mehr auf der Straße. Es war topfeben und die 40 ist zweispurig in jede Richtung. Der "Mittelstreifen" ist etwa 15 oder 20 Meter breit und mit Büschen oder gar Bäumen bepflanzt. Lässt sich äußerst angenehm fahren: Tempomat rein und Radio an. Die Ausfahrten sind mit dem Strecken-Kilometer der Autobahn benannt. Das finde ich äußerst praktisch, so sind die Ausfahrten eindeutig durchnummeriert und man hat eine Idee, wie viele Kilometer man gefahren ist. Bis Ottawa hatte ich mit 2 h und demzufolge Ankunft um 19:00 Uhr gerechnet. Das hätte so auch vollkommen gepasst, wenn ich nicht einen Fehler (?) gemacht hätte: Ich bin bei km 104 herausgefahren, da ich mir auf der Karte "Gloucester" als Übernachtungsstätte ausgesucht hatte. Ich war dann allerdings zu blöd, es auch zu finden. Es ist langsam dunkel geworden (zu deutsch: es war Nacht) und ich wollte wirklich so langsam die Gewissheit haben, nicht im Auto übernachten zu müssen. Als ich einige Kilometer gefahren bin und einfach kein "Gloucester" kam, habe ich beschlossen, den Straßenschildern Richtung Ottawa zu folgen. Irgendwann kam dann auch etwas, was ich als Ortsschild von Ottawa interpretiert habe. Aber weit und breit habe ich kein Hotel oder "Bed and Breakfast" gefunden. Da ich kein Risiko eingehen wollte, habe ich dann das erstbeste Motel (Motel Concorde) genommen, welches ich an der Straße (gegen 19:45 Uhr) gesehen hatte. 54.95 can$ (mit Steuer dann 61.60 can$; Steuer also 12 Prozent?) für die Übernachtung in einem "billigen" Zimmer. Da ich gegen Ende ehrlich gesagt wild in der Gegend herum gefahren bin (ohne Sonne am Himmel hab ich keine Orientierung, was die Himmelsrichtung angeht, mehr gehabt), weiß ich nicht einmal, wo ich gelandet bin. Auf der Quittung steht was von "Vanier", vielleicht ist das der Ort? Werde ich morgen früh herausfinden. Ich hab jetzt nur eine Nacht genommen, obwohl ich zwei in Ottawa bleiben will. Morgen schaue ich mich nach einer anderen Bleibe für die nächste Nacht um. Jetzt ist es kurz vor 21:00 Uhr. Ich werde noch etwas Reiseführer für Ottawa durchschmökern und dann ins Bett gehen. Vom vielen Laufen und Autofahren (vor allem dem Stress mit den Umwegen!) bin ich extrem kaputt.

Dienstag, 8. Oktober 2002

Ort: Ottawa
Sehenswürdigkeit: Ottawa Downtown
Übernachtung: Webb's Motel, Ottawa (84.00 can$)

Um 7:30 Uhr aufgestanden und meine restlichen, gekauften Sachen gefrühstückt (Hot-Dog-Brötchen mit Wienerwürstchen). Bäh! In nächster Zeit habe ich von Würstchen genug. Wenigstens aber tat in dem Motel die Dusche richtig! Bei Maryline kam da nur ein Rinnsal aus dem Brausekopf heraus, hier kam ein richtig guter Strahl. Tat mal wieder richtig gut. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen hatte ich bei der Dunkelheit der gestrigen Nacht, als ich meinte, mich verfahren zu haben, genau den richtigen Weg eingeschlagen: Ich war direkt auf dem Weg zu Ottawa Downtown und habe sogar ein Motel in der Straße erwischt, die im Reiseführer angegeben ist. Wow. Vanier ist nämlich ein Stadtteil von Ottawa (genauso wie übrigens Gloucester). Als ich alles zusammengepackt hatte, und losgefahren bin, war es 9:15 Uhr. Ich habe dann über eine Stunde gebraucht, bis ich einen Parkplatz gefunden hatte! Nicht, weil es in Ottawa keine gäbe, nein; große und öffentliche Parkplätze gibt es hier wie Sand am Meer, aber die kosten entweder 0.50 can$ für 15 min oder 10 can$ für den ganzen Tag. Mir als Schwabe war dies zu teuer und ich wollte etwas Billigeres (sprich: Kostenloses) finden. Und das hat dann halt gedauert, denn immer, wenn man meinte, einen Parkplatz gefunden zu haben, stellte sich heraus, dass dort ein Feuerhydrant auf dem Gehweg steht (ja nicht vor so einem parken, sonst ist das Auto weg!). Bei der Suche bin ich mit dem Auto schon durch ganz Ottawa gekommen, bevor ich noch einen Fuß hinein gesetzt hatte. Ich bin eine lange Zeit dem Rideau-Kanal entlang gefahren. Es war da so schön, da wollte ich einfach noch nicht umdrehen. Als ich dann in einer kleinen Seitenstraße (die sich ein paar hundert Meter weiter zur Hauptverkehrsachse entwickelt; komisch wie das hier so mir nichts dir nichts passiert) einen Parkplatz gefunden hatte, bin ich zuerst ins Regierungsviertel gelaufen. Dort steht das Parlament und alle anderen Gebäude in einem recht überschaubaren Gebiet. Für die Abgeordneten fahren da Shuttle-Busse von einem Gebäude zum anderen, damit man die 5 min nicht zu Fuß gehen muss. Und überall sind Japaner und knipsen wie wild, bäh! Ach ja, es war ziemlich frisch und sehr windig, aber strahlend blauer Himmel, keine Wolke zu sehen. Ich bin dann das Viertel mit den großen Kaufhäusern, welches direkt an das Regierungsviertel angrenzt, Straße um Straße abgelaufen. Es gibt auch eine echte Fußgängerzone, die den europäischen recht ähnlich ist, die Sparks Street. Zu Mittag habe ich in einem "Food Court" gegessen, wie schon am Freitag letzte Woche. Dann hab ich mir eine Karte von Ontario und einen Stadtplan von Toronto gekauft. Die Karte, damit ich mich beim Weg durch den Algonquin Provincial Park und beim "Freestyle-Fahren" zu den Niagarafällen möglichst nur minimal verfahre, und den Stadtplan, da ich nach den Erfahrungen, die ich nun in Montreal und Ottawa gesammelt habe, im Straßennetz der größten Stadt Kanadas nicht verloren gehen will. Dann bin ich zum Auto, um das gekaufte (auch noch Postkarten und Briefmarken) abzuladen. Danach bin ich in den Marktbereich von Ottawa: "Byward Market". Dort ist es nett. Alle Gebäude nur zwei oder drei Stockwerke, alles kleine Läden oder Lokale. In der Mitte von so Blöcken oft ein Marktplatz, auf dem Stände aufgebaut sind. Hier trifft man auch alle Kulturen an. Fernöstlich, europäisch, amerikanisch, einfach alles. Auf so einem Stand habe ich auch Ahorn-Produkte als Mitbringsel gekauft: Ahornsirup (für Oma und Opa sowie für uns), Ahornbutter (für uns), Ahornpralinen (für meine Tante) und Ahornbonbons (für mich, den DP, den Spieleabend, so lange sie eben reichen und das wird nicht lange sein!). Ich hoffe nur, die halten die Reise aus und verderben nicht. Als es nun gegen 16:00 Uhr war, wollte ich, nach den Erfahrungen des gestrigen Tages, die Bleibe für die Nacht sichern. Daher bin ich da schon los. Diese "Carling Street", in der angeblich weitere Motels liegen, zu finden, ist gar nicht so einfach. Auf dem Stadtplan schon, aber nicht in natura! Entweder machen es einem Einbahnstraßen unmöglich, seinem Ziel näher zu kommen, oder dämliche Linksabbiegeverbote an Kreuzungen. Also die Verkehrsregeln hier sind außerorts ok, aber in den Großstädten nur dämlich. Da gibt es Schilder, auf denen steht frei übersetzt: "Links abbiegen verboten, Montag bis Freitag von 9 a.m. bis 6 p.m., ausgenommen Busse". Das ist *kein* Witz! Bis Du das Schild gelesen hast und überlegt hast, wie spät es ist, welcher Wochentag ist und ob Du ein Bus bist oder nicht, ist die Kreuzung sowieso vorbei und Du musst Dir einen anderen Weg suchen. Klar, dass die nächste Straße wieder eine Einbahnstraße ist! Ok, als ich dann endlich die Carling Street gefunden hatte, geht die nur in einer Richtung weiter und nicht in der, in der ich sie vermutet hatte. Dann war es mir egal. Es war ja noch früh am Tag und ich dachte, dass ich dann eben weiter in Richtung Westen fahre und irgendwo unterwegs was suche. Und als ich so auf der Carling Street in Richtung Westen von Ottawa weg fahre, kommen doch tatsächlich Motels am Straßenrand. Ich glaube, man darf sich hier einfach nicht zu viele Gedanken um alles machen. Das wird irgendwie schon immer. Da bin ich dann in ein gut aussehendes Motel (Webb's Motel, das ist sogar in meinem Reiseführer erwähnt), das 75 can$ die Nacht kostet (84 can$ dann inklusive GST). Ist zwar etwas mehr, dafür ist die Qualität aber auch deutlich besser! Deutlich! Der Mann an der Rezeption (ein Däne), war sehr freundlich und hat sich lange mit mir unterhalten. Dann bin ich in die unmittelbare Nachbarschaft, um herauszufinden, was es so alles gibt. Hab mir bei einem chinesischen Lieferservice "Chop Suey" geholt und im Motelzimmer gegessen. Hmmmmmm. Er hat mir eine Karte, was sie alles haben, in die Tüte getan. Da ist Eistee in netten Flaschen drauf. Ich bin dann gleich noch einmal hin und hab mir vier Stück geholt (die passen gut in den Getränkehalter im Ford Focus). Jetzt werde ich noch Postkarten schreiben und zum Tagesabschluss meine Reiseplanung für morgen machen.

Mittwoch, 9. Oktober 2002

Orte: Ottawa, Petawawa, Whitney
Sehenswürdigkeit: Whitney
Route: 417 West (Distanz: 39 km)
17 West bis Petawawa (Distanz: 121 km)
17 East (Distanz: 22 km)
41 South (Distanz: 30 km)
60 West bis Whitney (Distanz: 100 km)
Gesamtdistanz: 312 km
Übernachtung: Algonquin East Gate Motel, Whitney (64.96 can$)

Um 7:30 Uhr aufgestanden und in der besten Dusche bisher hier in Kanada geduscht. Ahhhhh! Dann um 8:30 Uhr, nachdem ich wieder alles zusammengepackt hatte, frühstücken gegangen. Diesmal war es ein so richtiges amerikanisches Frühstück mit "Bacon" und "Egg" und "Potatoes" und "Toast". Für den europäischen Magen vielleicht etwas ungewöhnlich, aber man kann das tatsächlich morgens essen. Ich frage mich nur: Wie um alles in der Welt passt da Kaffee dazu? Den bekommt man nämlich auch noch. Ok, bin dann um 9:15 Uhr aus dem Motel raus (man merkt an der Tatsache, dass man erst beim Aus-Checken zahlen muss, dass es ein besseres Motel ist). Der Mann an der Rezeption (es war heute nicht der Däne) hat mir sogar angeboten, meine Postkarten aufzugeben. Es ist der erste verregnete Tag hier. Und ausgerechnet, wenn's durch den Algonquin Pronvincial Park gehen soll. Ich hab kurzerhand umgeplant und beschlossen, erst noch nach Pembroke und Petawawa zu fahren, dann wieder etwas zurück und am Eingang des Parkes zu übernachten, um auf besseres Wetter zu hoffen. Die erste Erfahrung mit kanadischen Ausschilderungen zu Tankstellen von Highways aus: Vergiss es! Ich bin 10 km gefahren, um die ausgeschilderte Tankstelle zu finden. Ergebnis: Keine gefunden. Dann bin ich wieder zurück auf den Highway und hatte somit 20 km vergeudet. Daher hab ich gleich bei der nächsten getankt, auch wenn die "Full Service" war und daher teurer. So lernt man dazu. Gegen Mittag war ich in Petawawa, aber das war unspektakulär, ebenso wie Pembroke. Habe dort im "Pizza Hut" zu Mittag gegessen. Damit es wenigstens noch ein wenig kanadisch wirkt, hab ich die Pizza "Canadian eh?" genommen. Gegen 13:30 Uhr hat es dann auch tatsächlich aufgehört zu regnen und die Bewölkung hat sich sogar aufgelockert, so dass mehr und mehr die Sonne durch kam. Bin dann bis Whitney gefahren und dort in ein Motel (Motel Algonquin East Gate, ist auch im Reiseführer erwähnt). Der Mann, der mich da empfangen hat, hat sehr gutes Englisch gesprochen. Da hab ich jedes Wort verstanden, nicht so, wie bei den anderen Kanadiern, die irgendetwas, nur nicht Englisch sprechen. Im Motel war kein normales Zimmer mehr frei, sondern nur noch die "Cabin", eine einzelne Hütte mit viel Rasen, Sportplatz, Grillstelle etc. drumherum. Die hat er mir zum normalen Preis eines Zimmers für 58 can$ (64.96 can$ inkl. GST) überlassen. Ist zwar nicht luxuriös ausgestattet, was das Bad betrifft, aber hat dafür vier Betten, einen Kühlschrank, einen Toaster, eine Mikrowelle, einen Herd, eine Spüle, einen Tisch, draußen noch Bänke zum in der Sonne sitzen etc. Leider kann ich das alles wohl gar nicht richtig nutzen. Bin dann noch etwas in dem kleinen Örtchen Whitney herum gelaufen. Von den Einwohnerzahlen her muss das *wesentlich* kleiner als Sickenhausen sein. Aber es gibt einige kleinere Läden, mehrere Restaurants, mehrere Kirchen, eine Tankstelle und noch einiges andere. Schon irgendwie lustig, das alles hier. Auf der einen Seite Natur pur, und auf der anderen Seite doch viel mehr "verstädtert" als bei uns. Der Abend gehörte wieder der Reiseplanung.

Donnerstag, 10. Oktober 2002

Orte: Whitney, Dwight
Sehenswürdigkeit: Algonquin Provincial Park
Route: 60 West bis Dwight (Distanz: 85 km)
Übernachtung: Riverside Motel, Dwight (88.48 can$)

Bin wie üblich um 7:30 Uhr aufgestanden und hab alles zusammengepackt. Heute hab ich allerdings auf das Duschen verzichtet. Es war morgens derart kalt (bestimmt nahe 0 °C, der Mann vom Motel meinte sogar unter Null, aber das kam mir übertrieben vor), dass ich der Dusche der "Cabin" gegenüber misstrauisch war: Was, wenn kein warmes Wasser kommt? Brrrrr, nein, das Risiko wollte ich nicht eingehen. Gefrühstückt hab ich dann um 8:30 Uhr im Motel. War wieder ein amerikanisches Frühstück. Ich glaube, die "Continental Breakfasts" kann ich mir erstmal abschminken. Die gibt's wohl nur in Quebec. Egal, "Bacon" und "Egg" und "Toast" zum Frühstück, ist gar nicht übel, wenn man sich mal daran gewöhnt hat. Dann bin ich 9:15 Uhr in den Algonquin Provincial Park losgefahren (Algonquin ist übrigens ein Indianerstamm). Da hatte es noch Nebel ohne Ende. Am Eingang des Parkes hab ich mir die "Permit" Marke geholt, damit man im Park die Parkplätze benutzen darf, sonst darf man nämlich nur die Straße durchfahren und nirgends anhalten. Im "Logging Museum" hab ich mir dann erstmal das Video von der Entstehung des Parkes angeschaut (für alle Informatiker: "Logging" heißt "Holzfällen" und hat nichts mit Computern zu tun!). Dann den Lehrpfad zum Holzfällen im Park abgelaufen (1.3 km). Immer noch Nebel. Aber pünktlich zu meinem ersten Aufenthalt an einem See, hat es sich aufgeklart und der blaue Himmel kam wieder durch. Dieser ungetrübte Sonnenschein hat dann auch den ganzen Tag lang bis zum Sonnenuntergang angehalten. Ich habe die Lehrpfade "Beaver Pond Trail" (2 km), "Lookout Trail" (1.9 km), "Two Rivers Trail" (2.1 km), "Peck Lake Trail" (1.9 km) und "Hardwood Lookout Trail" (0.8 km) gemacht. Das klingt nach nicht sehr viel, da man aber nicht nur durchrennen, sondern auch was sehen will, ist das für einen Tag eine ganze Menge! Pro "Trail" muss man mit knapp einer Stunde rechnen. Wenn man dann noch die Zeit für's Mittagessen (im "Visitor Centre") und für's Abendessen (am "Portage Store") dazurechnet, ist der Tag vorbei. Ach ja, ich finde die Art, wie man hier Trinkgeld gibt, äußerst blöd: Man zahlt den exakten Betrag und lässt dann etwas auf dem Tisch liegen. Vorgestern hat mich eine blöd angeschaut, als ich beim Bezahlen gleich das Trinkgeld eingerechnet habe ("Sorry?") und jetzt, wo ich immer exakt zahle und etwas auf dem Tisch liegen lasse, habe ich auch das Gefühl, dass einem die Bedienungen komisch hinterherschauen, weil sie ja noch nicht wissen, dass etwas oder was auf dem Tisch liegt. Argh, alles nicht so einfach hier. Zurück zum Park. An Tieren habe ich folgendes gesehen: Eine Möwe, einen Raben, etliche Spatzen, einige Streifenhörnchen ("Chipmunks"; von denen ich doch dann tatsächlich noch eines vor die Kamera bekommen habe; die sind nämlich im Gegensatz zu den Black Squirrels in Montreal extrem scheu!) und ein kleines schwarzes Etwas, von dem ich nicht weiß, was es war. Sah aus wie ein Streifenhörnchen mit einem drittel Größe und völlig schwarz, dafür dreimal so scheu. Hmmm. Hab dann halt viele Seen und Bäume fotografiert, die hauen nicht ab, wenn man sie ablichten will. Als es dann dunkel wurde, hab ich mir schnell wieder das erste Motel gegriffen (Motel Riverside in Dwight). Diesmal 79 can$ (also 88.48 can$ inkl. Steuer) teuer, also das teuerste bisher. Mal sehen, ob es sich bezahlt macht. Es sind zwei große Doppelbetten im Zimmer (die ich ja gar nicht beide brauche), ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine, ein Fernseher, auf der Infobrochure steht, dass man auch draußen im See baden kann und dazu Spielgeräte bekommen kann (auch davon kann ich keinen Nutzen machen) etc. Der Abend gehört wieder der Reiseplanung und den Postkarten ... und dem Bett!

Freitag, 11. Oktober 2002

Orte: Dwight, Dorset, Midland
Sehenswürdigkeit: Huron Museum
Route: 60 East (Distanz: 1 km)
35 South bis Dorset (Distanz: 16 km)
35 North (Distanz: 16 km)
60 West (Distanz: 25 km)
11 South (Distanz: 17 km)
141 West (Distanz: 50 km)
69 North bis Horseshoe Lake (Distanz: 2 km)
69 South (Distanz: 42 km)
400 South (Distanz: 36 km)
12 West bis Midland (Distanz: 15 km)
Gesamtdistanz: 220 km
Übernachtung: King's Motel, Midland (64.96 can$)

Wie üblich 7:30 Uhr aufgestanden und alles zusammengepackt. So langsam hat man Routine darin. Das verleitet dann dazu, nach dem Weckerklingeln noch etwas liegen zu bleiben. Da ich gestern recht gut gegessen hatte, hab ich beschlossen, das Frühstück ausfallen zu lassen und erst bei Mittagessen anzufangen. Das hat auch den Vorteil, dass man morgens effektiv eine Stunde mehr Zeit hat. Nur konnte ich die gar nicht nutzen! Von Dwight aus bin ich wieder etwas nach Osten und dann nach Süden gefahren, um in Dorset den "Scenic Tower", einen Aussichtsturm, "mitzunehmen". Das Problem war aber, dass es um 9 Uhr irgendwas, als ich dort ankam, noch völlig neblig war und es keinen Sinn gehabt hätte, Eintritt zu zahlen und da hoch zu gehen. Ich hab mir noch überlegt, ob ich warte, oder weiterfahre. Ich bin froh, dass ich dann nicht gewartet habe, denn der Nebel ist bis nach 13:00 Uhr geblieben. Ich bin dann durch die "Muskoka Lakes" Richtung Westen gefahren. Da alles total vernebelt war, hab ich von den Seen leider auch nicht all zu viel mitbekommen. Schade eigentlich, denn da hätte man bestimmt noch ein paar schöne Bilder machen können. Am "Horseshoe Lake", von dem ich mir mehr versprochen hatte, bin ich dann Richtung Süden bis nach Midland. Irgendwie eine typisch amerikanische Stadt: Entlang der Hauptstraße reihen sich Fast-Food-Restaurants, kleine "General Store" Läden, Motels etc. auf und in den Straßen dahinter sind dann die Wohnhäuser. Der Nebel ist übrigens verschwunden, als ich in Midland mein Motel bezogen habe (King's Motel, diesmal wieder für 58 can$, also 64.96 can$ inkl. Steuer). Zuerst hab ich bei Kentucky Fried Chicken meinen Hunger etwas gestillt. Dann bin ich in das "Huron Museum" und die "Huron Village". Die Huronen sind ein Indianerstamm, auch Wendat genannt, die vor der europäischen Kolonisation hier gelebt haben. Im Museum sind Gegenstände von den Huronen ausgestellt (Werkzeuge, Kleidung etc.) sowie Gegenstände aus dem 17. Jahrhundert bis heute (die nichts mehr mit den Huronen zu tun haben). Die Village ist ein Nachbau einer Huronen-Siedlung; so richtig mit Pfahlpalisaden drumherum und Langhäusern innen drin. Danach bin ich noch an den "Little Lake", den See im Stadtgarten von Midland. Obwohl Midland selbst an der "Georgian Bay" (sozusagen einem Seitenarm des "Lake Huron") liegt, hat die Stadt noch einen eigenen See in der Stadt. Dort hab ich die schwarzen Eichhörnchen und Möwen gejagt. Die wollen sich einfach nicht fotografieren lassen. Hmpf. Danach hab ich eine größere "Session" für die Reiseplanung der folgenden Tage eingelegt. Meine bisherige Planung hatte sich um einen Tag verschoben und die zweite Hälfte der letzten Woche hatte ich sowieso noch nicht vollständig ausgeplant. Daher war heute eine Revision der Planung fällig. Eigentlich wollte ich am Sonntag in Kitchener sein, um einen Mennoniten-Gottesdienst mitzuerleben, aber das wird wohl nichts. Entweder bin ich viel zu früh bei den Niagarafällen (Montag ist hier Feiertag, da ist dort bestimmt so viel los, dass es keinen Spaß macht, und Samstag und Sonntag wird da nicht besser sein) oder es wird zu stressig, wenn ich wieder in die total entgegengesetzte Richtung fahre. Daher komme ich jetzt wohl erst am Sonntag Nachmittag in Kitchener an. Ach ja, ich hab heute wieder Postkarten gekauft (es waren einfach zu gute Motive dabei, um sie nicht zu kaufen). Aber so viele muss ich nun gar nicht mehr schreiben. Ich glaube, es sind nur noch acht Postkarten, die ich noch zu schreiben habe. Und ich habe noch die Niagarafälle und Toronto als Motive vor mir. Also warte ich noch etwas. Insgesamt werde ich dann 28 Postkarten geschrieben haben. Yay!

Samstag, 12. Oktober 2002

Orte: Midland, Wiarton
Sehenswürdigkeiten: Wye Marsh, Sainte-Marie among the Hurons
Route: 12 East bis Sainte-Marie (Distanz: 2 km)
12 West (Distanz: 6 km)
93 South (Distanz: 24 km)
400 South (Distanz: 16 km)
11 South (Distanz: 5 km)
26 West (Distanz: 121 km)
6 North bis Wiarton (Distanz: 27 km)
Gesamtdistanz: 201 km
Übernachtung: Spirit Rock Motel, Wiarton (71.68 can$)

Heute bin ich erst um 8:00 Uhr aufgestanden, da das für mein Tagesprogramm locker reicht. Um 9:15 Uhr bin ich dann aus dem Motel raus und hab mir erstmal wieder eine 2 l Flasche "Vanille Coke" gekauft, denn jeden Tag aufs Neue etwas zu trinken kaufen zu müssen, war mir jetzt zu dumm. Dann bin ich um 9:45 Uhr ins "Wye Marsh" Naturschutzgebiet. Zuerst meinte ich, dass sich das Geld nicht gelohnt hat, da erstens das Wetter nicht so toll war und zweitens keine Tiere weit und breit. Aber dann hab ich doch noch die berühmten Trompeterschwäne gesehen (und gehört), dann noch einen schönen blauen Vogel, der auf Englisch "Blue Jay" heißt (müsste auf deutsch ein Blauhäher sein, das muss ich aber noch verifizieren) und einen Frosch, der sich gerne und gar nicht widerwillig hat ablichten lassen. Ach ja, zu Beginn hat man Sonnenblumenkerne bekommen, um Vögel damit anzulocken. Da das bei mir nicht funktioniert hat, hab ich die Kerne dazu benutzt, um Streifenhörnchen anzulocken. Ich hab also das Vogelfutter auf eine exponierte Stelle gestreut und mich ein paar Meter entfernt davon hingesetzt. Dann hab ich 10 min gewartet und in der Tat kam ein Streifenhörnchen. Ich hoffe, dass die Bilder etwas geworden sind. Doch dann kamen zwei dieser "Blue Jay" und haben das Streifenhörnchen verjagt und selber die Kerne gefuttert. War nicht tragisch, hab ich auch noch gleich ein paar Bilder machen können. Dann bin ich um 12:00 Uhr in das Museum "Sainte-Marie among the Hurons". Dort ist die Missionsstation "Sainte-Marie", die von 1639 bis 1648 hier bestand, nachgebaut. Schon imposant zu sehen, wie ärmlich die damals gelebt haben. Dort hab ich in der üblichen Merchandising-Ecke noch ein Ahorn-Produkt entdeckt, das ich bisher nicht gesehen hatte: Ahorn-Tee. Hab sogleich ein Päckchen mitgenommen. Ich bin schon gespannt, wie das ganze Ahorn-Zeugs so schmeckt (mit Ausnahme der Pralinen und Bobons, die hab ich nämlich schon probiert und die schmecken gut!). Um 14:00 Uhr bin ich dann mit Ziel Wiarton aufgebrochen. Unterwegs ist mir in "Owen Sound" (dieses "Sound" kommt wohl von "Sund") etwas Lustiges aufgefallen: Dort ist mitten in der Stadt (21000 Einwohner) eine Kreuzung und an allen vier Ecken steht eine Kirche einer anderen Konfession. Und jede Kirche hat eine andere Architektur. Leider konnte ich das wegen des Verkehrs (ich saß ja im Auto und bin gefahren) nicht fotografieren. Dann ist mir beim Autofahren noch etwas aufgefallen: Die Kanadier nehmen die Tempolimits auch nicht so genau. Sie kennen außerorts eigentlich nur eine Geschwindigkeit: 100 km/h, ob auf einem Highway (wo ich dann doch 110 km/h fahre) oder außerorts, wo 80 km/h erlaubt ist, ich 90 km/h fahre und die mich reihenweise überholen. Komisches Volk. Und an Stoppschildern, da halten die tatsächlich an und warten drei Sekunden, auch wenn es eine Kreuzung im hinterletzten Winkel ist und man *wirklich* sieht dass in den nächsten drei Meilen niemand anderes ist. Komisches Volk. Die Fahrt hat fast dreieinhalb Stunden gedauert und um 17:30 Uhr hatte ich das erste Mal das Erlebnis, dass ein Motel keine Zimmer mehr frei hatte. Das zweite hatte dann noch das letzte frei. Der Mann (er hat sich mir gleich mit "Ted" und Handschlag vorgestellt) meinte zwar, dass es für mich alleine zu groß und zu teuer sei, aber als er 64.00 can$ (also 71.68 can$ inkl. Steuer) als Preis nannte, hab ich nur gelacht und gemeint, dass ich schon Schlimmeres erlebt hätte. Klar hab ich das genommen. Zwei Doppelbetten, zwei Tische, vier Stühle, zwei Sessel, Spüle, Herd, Kühlschrank, Toaster, Fernseher (Bad mit Dusche und WC ist ja selbstverständlich) und einem Garten hintenraus mit Spielplatz. Ach ja, und morgens sei Frühstück mit dabei. Ich soll einfach zwischen 8:00 und 11:00 Uhr kommen. Wow, das klingt ja extrem gut. Ich werde am Ende eine Rangliste der Motels machen. Und dieses "Spirit Rock Motel" in Wiarton hat nun "Webb's Motel" in Ottawa vom Platz 1 verdrängt. Zum Essen bin ich dann nach Wiarton und hab mir bei Subway einen "Footlong Onion Chicken Irgendwas" machen lassen. Ich war das erste Mal bei Subway. Ich hatte keine Ahnung, dass die das *frisch* zubereiten! Man geht da rein und sagt, was man will. Dann zieht sich die Bedienung Einweghandschuhe über und fängt an, dass Ding zusammenzubasteln. Also erst wird ein Riesenbrot (die Sorte kann man sich aussuchen) aufgeschnitten. Dann legt sie Käsescheiben rein, dann kommen die Hähnchenstreifen (a la Geschnetzeltes) drauf, die andere Brothälfte wird nun mit Tomaten, Gurken, Oliven, Zwiebeln, Paprika etc. belegt. Ich hab mich nur gefragt: Ist das jetzt ein Fast-Food-Restaurant, oder gibt man da Trinkgeld? Mensch, das mit dem Trinkgeld ist hier wirklich seltsam. Aber hey, das Ding hat ausgezeichnet geschmeckt! Am Abend hab ich mal wieder den nächsten Tag geplant (das ging heute relativ schnell) und dann noch dieses Tagebuch, das Du gerade liest, um die Zusammenfassungen, die immer direkt nach dem Datum kommen, erweitert. Das Tagebuch wird in dieser Form automatisch generiert (für diejenigen, die es interessiert: DTD, XSLT und Beispiel-XML sind auf Anfrage per E-Mail erhältlich).

Sonntag, 13. Oktober 2002

Orte: Wiarton, Tobermory, Kitchener
Sehenswürdigkeiten: Big Tub Lighthouse, Bruce Peninsula National Park, Farmer's Market
Route: 6 North (Distanz: 77 km)
6 South (Distanz: 237 km)
7 West bis Kitchener (Distanz: 16 km)
Gesamtdistanz: 330 km
Übernachtung: Victoria Motel, Kitchener (56.00 can$)

7:30 Uhr aufgestanden (die erste Dusche in Kanada, die einen Duschkopf an einem Schlauch hat und somit nicht fest an der Wand montiert ist!), dann bei Ted gefrühstückt. Es gab Toast (mit Butter und Marmelade oder Honig), Rosinenplätzchen, Kaffee und Saft. Und das war alles inklusive. Um 9:15 Uhr bin ich dann los in Richtung nördlichsten Punkt der Bruce Peninsula, Tobermory. In Tobermory hab ich den alten Leuchtturm angeschaut. Zurück bin ich dann einen Weg durch den National Park gefahren. Da hab ich es das erste Mal bedauert, keinen Allradantrieb zu haben: Der zweite Teil der Strecke war auf einmal so matschig (obwohl wieder die Sonne vom blauen Himmel herunter geschienen hat), dass das Fahren an Glatteis erinnert hat! Ich bin nicht in den offiziellen Teil des Parkes rein, da das wieder 7 can$ gekostet hätte und ich hätte gar nicht so lange bleiben können. Um 12:00 Uhr war ich dann wieder in Wiarton und bin dann weiter in Richtung Süden. Das Wetter war von fast völlig bewölkt bis zu fast völlig blauer Himmel durchmischt. Unterwegs hab ich ein Schild an einer Kirche der "Evangelical Baptist Church" gesehen (das ist hier üblich, dass die Kirchen Anzeigetafeln wie Läden haben), auf dem stand "Give God what's right and not what's left". Zu Mittag gegessen hab ich irgendwann nach 14:00 Uhr in Fergus, und zwar bei Tim Hortons. Den findet man hier in jedem Kaff mit der Größe von Sickenhausen. In Großstädten ist er dann entsprechend öfters vorhanden! Die sind eigentlich auf Kaffee und Donuts sowie Muffins spezialisiert, bieten aber auch "Sandwich Deals" an, d.h. einen Sandwich (man kann zwischen ca. 12 verschiedenen auswählen), einen Donut (auch hier kann man zwischen zig verschiedenen auswählen) und dann noch Kaffee. Und die stellen einem so viele Fragen! Wie man das möchte und ob man das dazu möchte und ob das noch usw. Und die Bedienung hat einfach nicht kapiert, dass sie etwas langsamer reden soll. Jede Frage kam wieder mit der extrem schnellen Geschwindigkeit und einem tollen kanadischen Akzent. Egal, am Ende hatte ich dann schon, was ich wollte. So, jetzt fehlt mir von den Fast-Food-Ketten eigentlich nur noch McDonald's und Burger King, oder? In Kitchener kam ich dann wohl irgendwann kurz vor 16:00 Uhr an. Da ich viel Zeit hatte, hab ich mir gedacht, dass ich mal quer durch die Stadt fahre und nach Motels suche. Ich hab nur zwei Stück gefunden, beide direkt nebeneinander. Hab mir dann einfach das mit der besseren Hofeinfahrt ausgesucht: Victoria Motel. Wow! 56 can$ inkl. Steuer! So billig war noch kein Motel bisher. Dann bin ich noch einmal los, um den berühmten Farmer's Market in Kitchener-Waterloo zu sehen. Und hier hat wieder meine suboptimale Reiseplanung zugeschlagen: Der ist nur dienstags und samstags offen. Bin dann einfach noch etwas durch Kitchener und Waterloo gefahren. Ist nicht viel mehr Sehenswertes hier. Ich könnte ja auf das Oktoberfest gehen, was hier in der Tat gerade stattfindet. Nach dem Münchener ist es das zweitgrößte weltweit. Aber ich gehe doch nicht nach Kanada, um hier Blasmusik zu hören, Frauen in Dirndeln Masskrüge durch die Gegend tragen und dann die besoffenen Kanadier herum torkeln zu sehen. Und ich habe auch noch keine einzige schwarze Pferdekutsche eines Mennoniten gesehen. Entweder ist das alles nur ein Gerücht, oder die bleiben sonntags zu Hause. Morgen ist hier Thanksgiving, mal sehen, ob ich da irgendeine Kutsche zu sehen bekomme. Übrigens ist mir jetzt auch klar geworden, warum hier innerorts fast keiner die rechte Spur benutzt, wenn zwei in eine Richtung vorhanden sind: Die wird frei gehalten, damit Leute an der Ampel bei rot nach rechts abbiegen können, was in Kanada (mit der Ausnahme der Provinz Quebec) ja erlaubt ist. Wenn man nämlich auf dem rechten Fahrstreifen an der roten Ampel steht, blockiert man die, die rechts abbiegen wollen. Alles ein wenig anders hier. Das Radio-Programm ist allerdings vom Konzept her identisch. Tausche die Sprache aus und Du hast SWR3.

Montag, 14. Oktober 2002 (Thanksgiving in Kanada)

Orte: Kitchener, St. Jacobs, Elmira, Elora, St. Catharines, Niagara-on-the-Lake, Virgil
Sehenswürdigkeiten: Welland Canal Locks, Fort George, Niagara-on-the-Lake
Route: 85 North (Distanz: 17 km)
21 North (Distanz: 12 km)
17 North (Distanz: 6 km)
7 South (Distanz: 24 km)
6 South (Distanz: 51 km)
403 East (Distanz: 7 km)
QEW East (Distanz: 62 km)
55 East (Distanz: 13 km)
55 West bis Virgil (Distanz: 5 km)
55 East (Distanz: 5 km)
55 West bis Virgil (Distanz: 5 km)
Gesamtdistanz: 207 km
Übernachtung: Lisa's Bed and Breakfast, Virgil (65.00 can$)

Bin um 7:45 Uhr aufgestanden und um 8:45 Uhr aus dem Motel raus. Dann hab ich etwa zwei Blocks weiter (weiter ist das nämlich nie entfernt!) bei Tim Hortons gefrühstückt, was diesmal auch problemlos funktioniert hat. Muffins, Donuts und Kaffee, ja, so kann ein Tag beginnen. Und viele Amerikaner scheinen das auch zu denken. Denn um die Uhrzeit ist beim "Drive-Thru" von Tim Hortons mächtig was los. Ich glaube in der Tat, dass viele dort ihr Frühstück holen, so wie wir morgens die Brötchen beim Bäcker. So gegen 9:15 Uhr bin ich dann losgefahren. Warum hat mir keiner meiner zwei Reiseführer gesagt, dass man bei Thanksgiving nicht durch Kitcheners Hauptstraße "King Street" fahren kann? Dort war der totale Menschenauflauf, die Straße war gesperrt und man musste Umleitungen fahren. Wohl irgendein Thanksgiving Fest. Dann bin ich durch St. Jacobs, Elmira und Elora gefahren, immer in der Hoffnung, eine schwarze Pferdekutsche von Mennoniten zu entdecken. Keine einzige! Ich bin sogar an einer Mennoniten-Kirche vorbei gefahren während sie Gottesdienst hatten, da war der Parkplatz voll mit Autos jeglicher Farbe (nicht nur schwarz!) aber keine Pferdekutsche weit und breit. Ich habe dann aber tatsächlich noch eine gesehen. Und die Frau auf der Kutsche hat mich sogar gegrüßt. Aber ich konnte es nicht fotografieren, da ich im Auto saß. Bis an den Lake Ontario ist nicht mehr viel Aufregendes passiert. Doch als ich auf den Queen Elizabeth Way (QEW) gebogen bin, der auf einer riesigen Brücke durch den Lake Ontario führt und dem See somit einen Zipfel abschneidet, und einen Blick nach Nordosten riskiert habe, hab ich doch tatsächlich bereits den CN Tower von Toronto samt Skyline der Harbourfront gesehen. Wow! Ich bin dann nicht wie geplant komplett den "QEW East" durchgefahren, sondern eine exakt parallel dazu und keine 50 m entfernt verlaufende Landstraße auf Küstenseite, so dass ich ab und zu mal anhalten und die Aussicht genießen konnte. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn so gut wie jeder Zentimeter an einem See ist hier Privatgrund und man hat keine Chance da hin zu kommen. Das ist mir schon im Bruce Peninsula National Park aufgefallen. Dann bin ich in St. Catharines zum Welland Kanal, der den Lake Erie mit dem Lake Ontario verbindet, gefahren und hab eine Schleuse besichtigt. Insgesamt sind es 8 Schleusen, die jeweils einen Höhenunterschied von etwas über 12 m überbrücken. Die Schleusen sind jeweils über 250 m lang und über 24 m breit. Was man da an Wasser braucht! Aber der Hebevorgang geht recht schnell. Ich hab zugeschaut, wie ein Schiff der "U.S. Coast Guard" durch die Schleuse gehievt wurde, das Fluten hat nur wenige Minuten gedauert. Dann bin ich weitergefahren und hab mein "Bed and Breakfast" für die nächsten zwei Nächte schon einmal gesucht (und, nach etwa 5 min Suche ohne Stadtplan und ohne jemanden fragen zu müssen, gefunden). Dann bin ich nach Niagara-on-the-Lake gefahren und war geschockt, was dort los ist! Dem Trubel wollte ich entfliehen und hab erstmal das Fort George am Stadtrand besichtigt. Interessant, ich habe gelernt, dass seit es Kanonenkugeln gibt, die runden und rechteckigen Wehrtürme aus dem Mittelalter nichts mehr getaugt haben und man rautenförmige konstruieren musste. Ein netter Nebeneffekt: Man vermeidet tote Winkel. Interessierten kann ich das gerne mal aufmalen, ist nämlich auch zum Konstruieren von RtCW Maps nicht unwichtig. Dann bin ich zu "Lisa's Bed and Breakfast" und hab erstmal die Koffer ausgeladen. Danach noch einmal nach Niagara-on-the-Lake. Mittlerweile war es 17:00 Uhr und der Trubel hatte sich etwas gelegt. Ich bin die "Einkaufsmeile" Queen Street entlang gelaufen, und in der Tat, man kann da sehr viel Geld für echten Kitsch ausgeben. Ach ja, nun hab ich auch noch bei McDonald's gegessen. Das ist tatsächlich identisch wie bei uns. Seit wir aber im Euroland leben, war ich bei uns nicht mehr dort und weiß die Preise nicht. Hier kostet ein "McChicken Meal" 4.99 can$, was in etwa 3.33 EUR entspricht. Gibt es bei uns bei McDonald's auch Kaffee? Hier ja. Was ich abends gemacht habe? Was wohl: Mir überlegt, wo ich bei den Niagarafällen das Auto abstelle!

Dienstag, 15. Oktober 2002

Orte: Virgil, Niagara Falls, Niagara-on-the-Lake
Sehenswürdigkeiten: Horseshoe Falls, American Falls, Niagara Rapids, Niagara Whirlpool, Fort Mississauga
Route: 100 South (Distanz: 10 km)
Niagara Parkway North (Distanz: 15 km)
55 West bis Virgil (Distanz: 5 km)
Gesamtdistanz: 30 km
Übernachtung: Lisa's Bed and Breakfast, Virgil (65.00 can$)

7:30 Uhr aufgestanden und um 8:30 Uhr gefrühstückt. Dabei ein nettes Gespräch mit der Gastgeberin Lisa gehabt. Sie ist ursprünglich Deutsche aber nun seit über 33 Jahren hier und betreibt seit 11 Jahren als Rentnerin das "Bed and Breakfast". Dann bin ich gegen 9:30 Uhr los in Richtung Niagarafälle. Da ich mich in Niagara Falls (dem Ort) einmal "kurz" verfahren hatte, kam ich dort erst um 10:30 Uhr auf dem Parkplatz an, wo ich eigentlich 20 min früher hätte sein können. Egal. Der Parkplatz war beim Minolta Tower und ist kostenlos, sofern man ein Ticket für den Aussichtsturm löst. Das wollte ich sowieso tun, also kein Problem. Von da oben (99 m über der Oberkante der Fälle) aus sieht man die Fälle phantastisch! Aber die Scheiben sind nicht (wie versprochen) reflexionsfrei und außerdem waren sie nicht sauber. Mal sehen, wie die Bilder geworden sind. Auf den zweiten, hoch höheren Turm, den Skylon Tower mit 160 m über Oberkante der Fälle, bin ich dann nicht mehr, denn der ist etwas weiter weg und ich wollte doch näher an die Fälle ran. Also bin ich bis zur Abbruchkante der Horseshoe Falls hin. Da kommt man bis auf etwa 3 - 5 m nah hin. Wahnsinn, welche Wassermengen da hinunter strömen und in welcher Geschwindigkeit! "Impressive"! Ich wollte mir das Geld für die Shuttle Busse sparen und bin dann in Richtung Niagara Rapids (Stromschnellen) gelaufen. Allerdings waren das dann doch gute 4 km zu laufen. Aber die Stromschnellen machen einem auch schnell klar, warum da wenige Leute von denen, die da hinein gerieten, wieder lebend heraus gekommen sind. Dann dachte ich mir, noch weiter läufst Du nicht, da kaufst Du Dir eben doch das Ticket für die Shuttle Busse. Gedacht, gekauft und dann ... klar, kommt 45 min lang kein Bus! In der Zeit wäre ich den einen Kilometer, den ich noch weiter wollte, auch gelaufen. Und dieser Niagara Whirlpool war dann auch nicht so der Hit. Hier macht der Niagara River eine echte 90° Kurve in der Schlucht und daher bildet sich ein Strudel. Aber so imposant war der nicht, wenn man schon den Rest gesehen hat. Als dann ein paar Minuten kein Shuttle Bus gekommen ist, hab ich beschlossen zu laufen. Und was soll ich sagen? Ich bin die ganzen 5 km zurück gelaufen, ohne dass auch nur ein Shuttle Bus vorbei gekommen wäre! Also, wer von Euch zu den Niagara Falls geht, kauft Euch kein Ticket bei "People Mover", nehmt entweder eine andere Linie oder leiht Euch ein Fahrrad. Das scheint mir sowieso die vernünftigste Wahl zu sein. Beim Zurücklaufen hatte, als ich an den Horseshoe Falls vorbei kam, weniger Glück als auf dem Hinweg, denn der Wind hatte gedreht: Ich bin ganz ordentlich nass geworden. Aber da es nicht kalt war und die Sonne auch recht ordentlich geheizt hat, ist es schnell wieder getrocknet. Warum ich weder einen Helikopterflug, noch eine Bootsfahrt mit einer "Maid of the Mist", noch die "Journey behind the Falls" gemacht habe? Nun, zum einen ist die Zeit ein Argument, da so etwas Zeit in Anspruch nimmt (und es gilt auch noch die Warteschlangen zu berücksichtigen!) und zum anderen wird man da (außer beim Helikopterflug natürlich) doch gewaltig nass und ich hatte etwas Sorge um meine Fotoausrüstung. Danach bin ich mit dem Auto den Niagara Parkway (so heißt die Straße, die direkt am Niagara River bis zur Mündung in den Lake Ontario verläuft) entlang bis Niagara-on-the-Lake gefahren und habe dort noch das zweite Fort, das Fort Mississauga besichtigt. Das ist sehr klein, so klein, dass es nicht einmal Eintritt kostet und mitten in einem Golfplatz steht. Ja, da haben die doch tatsächlich bereits 1870 (laut den Informationstafeln; gab es denn da schon Golf?) einen Golfplatz um das Fort herum gebaut. Anstatt wie in der Route angegeben auf dem nächsten Weg (55 West) nach Hause zu fahren, bin ich zickzack durch die Weinanbaugebiete zurück nach Virgil gefahren. Das sind bestimmt 20 km gewesen, die in der Route nicht auftauchen. Die sind dann am Ende unter "Stadtverkehr und Umwege" enthalten. Am Abend hab ich diesmal wieder Postkarten geschrieben. Morgen kommt dann Toronto ... waaaaaaaaaaahhhh!

Mittwoch, 16. Oktober 2002

Orte: Virgil, Toronto
Sehenswürdigkeiten: The Path, Toronto Downtown
Route: 55 West (Distanz: 8 km)
QEW West/North (Distanz: 100 km)
Gesamtdistanz: 108 km
Übernachtung: Hillcrest Motel, Toronto (76.16 can$)

7:45 Uhr aufstehen muss reichen, dachte ich mir, und Recht hatte ich. Frühstück dann um 8:30 Uhr. Wieder super Frühstück und wieder nettes Gespräch mit Lisa. Das hat sich dann auch bis kurz vor 10 Uhr hingezogen, aber dann hab ich gemeint, dass ich los muss, wenn ich heute noch nach Toronto will. Ich bin dann so ziemlich genau um 10:00 Uhr aus Virgil raus und war kurz nach 11 Uhr bereits in meinem Motel in Toronto. Die Strecke läuft wie von selbst und ich hab auf Anhieb, ohne mich auch nur einmal ansatzweise zu verfahren, die Motels am Lake Shore Boulevard West, die ich anfahren wollte, erreicht. Da die alle gleich unattraktiv aussahen, hab ich das letzte in der Reihe dann eben genommen. Eine Übernachtung kostet 68 can$ (also 76.16 can$ inkl. Steuern). Da ich hier zwei Tage bleiben will, hab ich diesmal gleich zwei Nächte gezahlt, da ich mir den Stress sparen will, eine neue Unterkunft zu suchen. Das Zimmer ist zwar nicht der Hit, die Ausstattung alt und etwas renovierbedürftig. Aber ich habe (ohne danach zu fragen, obwohl ich das wollte, dann aber doch vergessen habe) das einzige Zimmer bekommen, welches direkten und freien Blick auf den CN Tower hat. Wow! Allerdings ist das Wetter heute gar nicht gut. Total bewölkt und leichter bis mittelmäßiger Regen. Ich bin zuerst zu der nächstgelegenen TTC (Toronto Transit Commission) Subway Station und hab mir dort zwei Day Passes gekauft. Da rubbelt man wie bei so einem Gewinnspiel jeweils ein Feld für Monat und Tag frei und an dem gilt der Tagesausweis dann. Dann hab ich mir noch eine Karte mit allen U-Bahn- und Bus-Linien von Toronto geben lassen. Waaaaaaaaaaaa! Aber ich muss da ja auch nicht durchblicken, sondern nur den für mich relevanten Teil überschauen können. Ach ja, auf der Rückseite des Planes ist ein Informationsteil in 18 verschiedenen Sprachen vorhanden. Und was soll ich sagen, deutsch ist *nicht* dabei! Ist das nicht krass? Entweder sind die Deutschen nicht wichtig genug oder sie werden für intelligent genug gehalten, wenigstens eine der 18 anderen Sprachen zu können ... oder man hat es schlichtweg vergessen. Hmmm. In Toronto Downtown hat es dann stärker angefangen zu regnen, so dass ich keine Lust hatte, im Regen durch die Stadt zu laufen. Und den CN Tower wollte ich mir bei dem Wetter auch nicht geben. Also was tun? Klarer Fall für "The Path". Das ist die unterirdische Einkaufspassage, die ganz Downtown untertunnelt. Das ist vielleicht cool! Da unten ist fast mehr los als an der Oberfläche. Da unten kann man leben, ohne jemals hoch zu müssen. Da gibt es Essen, Trinken, Kleidung, Spielwaren, Elektroartikel, einfach alles. Und wie vornehm das eingerichtet ist! Alles mit Springbrunnen, Marmor, Holz etc. Und gut beschildert. Es braucht zwar eine Weile, bis man kapiert, wie es funktioniert, aber dann ist es wirklich gut beschildert: Es steht immer die Straße dran, unter der man sich gerade befindet, oder das Gebäude, in dem man gerade ist. Dann ist ein Wegweiser, der in die Himmelsrichtungen zeigt und angibt, zu welchen Gebäuden es da geht. Selbstverständlich kommt man auch zu den U-Bahn-Stationen. Man kann also von seinem Büro in einem der Hochhäuser oder von einem der Hotels direkt einen Einkaufsbummel machen, sein Dinner zu sich nehmen und dann per U-Bahn nach Hause fahren, ohne dass man bei schlechtem Wetter nass geworden ist. Und das ist alles so beheizt, dass man im T-Shirt herum laufen muss, um nicht zu schwitzen. Generell ist mir das hier dieses Motto aufgefallen: "Gute Isolierung an den Häusern? Wieso, wir haben doch gute Heizungen!" Dieser "Path" endet in einem riesigen, auch oberirdischen Kaufhaus. Das ist ähnlich der "Galerie Müller" in Reutlingen, nur *viiieeeeel* größer! Als ich dann zwei Stunden in "The Path" verbracht hatte und es oben immer noch geregnet hat, hab ich kurzerhand beschlossen, in einem der Einkaufsläden im "Path" einen Schirm zu kaufen. Dann bin ich oben noch etwas durch die Stadt gelaufen. Aber es ist ein Trugschluss zu meinen, der CN Tower könnte einem in Downtown als Orientierung dienen. Die anderen Gebäude sind auch so hoch, dass man ihn da nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Apropos hohe Häuser: Wenn ich neben irgend wo einem Haus in Downtown stehe (ganz egal welches) und mir dann überlege, wie hoch jetzt die "Galeria Kaufhof" in Reutlingen dagegen ist, bekomme ich immer einen Grinsanfall. Drei Stockwerke? Hier sind 10 mal das Minimum und bei 50 können wir dann so langsam mitreden. Ich musste so lachen, als ich im "Path" einen Wegweiser sah, auf dem stand "54th floor". Dann bin ich noch zum CN Tower gelaufen und hab ihn mir von unten angesehen. Beeindruckend! Die Aufzüge sieht man ja von außen. Die fahren ganz schön rasant hoch und runter. Morgen will ich mir das ja auch geben, egal wie das Wetter wird, ich hoffe natürlich auf besseres Wetter. Ich hätte noch das Stadion "Skydome" besichtigen können, aber das hat mich dann nicht so interessiert. Dann hab ich kurz vor 18 Uhr den Beschluss gefasst, mir mal so langsam zu überlegen, wie ich zurück zum Motel komme. Nachdem ich erfolglos eine halbe Stunde lang an einer Kreuzung auf ein "Streetcar" (Straßenbahn bestehend aus nur einem oder zwei per "Ziehharmonika" verbundenen Wagen) der Linie 508 gewartet habe und mir die Leute immer wieder versichert haben, dass ich hier richtig bin und dass jeden Augenblick eines kommen müsste, war es mir dann zu dumm und ich hab die zweite Alternative, die Linie 501 an einer anderen Kreuzung probiert (im Motel hab ich dann herausgefunden, dass die 508 nur zur Rush Hour fährt, morgens dreimal in die Stadt rein und abends viermal aus der Stadt raus, aber ohne festen Fahrplan). Nach etwa einer Viertelstunde kam dann ein "Streetcar". Der Fahrer meinte aber, diese Fahrt der 501 würde für mich nicht weit genug fahren, ich müsste an der Endstation auf eine 501 warten, die weiter fährt. Als ich an der Endstation auf meine Toronto-Karte geschaut habe, hab ich festgestellt, dass ich nur 400 m von meinem Motel entfernt sein muss. Daraufhin hab ich beschlossen, trotz Dunkelheit, einfach drauflos zu laufen und siehe da, keine 5 min später war ich am Motel. Ich hatte gehofft, dass der CN Tower wenigstens gut beleuchtet ist, dass ich zumindest noch ein Nacht-Foto von Toronto Downtown von meinem Balkon aus machen kann, aber der CN Tower ist überhaupt nicht Beleuchtet! Nur ab und zu kleinere Positionslichter, die aufblitzen, aber keine richtige Beleuchtung. Was soll denn das? Auf den Postkarten, die ich gekauft habe, da ist er beleuchtet. Pffff. Fazit des Tages: Toronto ist de-mystifiziert, man kann es problemlos überleben. Jetzt hoffe ich auf besseres Wetter für morgen und fange an die restlichen Postkarten zu schreiben.

Donnerstag, 17. Oktober 2002

Ort: Toronto
Sehenswürdigkeiten: Toronto Downtown, Harbourfront Centre, CN Tower, Old City Hall, New City Hall, Chinatown, Houses of Parliament, Humber Bay Park
Übernachtung: Hillcrest Motel, Toronto (76.16 can$)

7:30 Uhr aufgestanden und den Tag ganz gemütlich begonnen, da mein "Day Pass" für TTC sowieso erst ab 9:30 Uhr gilt, damit die Touristen die Rush Hour nicht auch noch verstärken. Bei Tim Hortons wieder mit Muffins und Kaffee den Tag begonnen. Das ist keine schlechte Idee, finde ich. Es war zwar kein blauer Himmel, sondern alles wolkenverhangen, aber es war deutlich besseres Wetter als gestern. Daher bin ich wieder in die Downtown, diesmal oberirdisch und dann in Richtung Harbourfront. Und immer in Nähe des CN Towers, da ich den "richtigen Moment" abwarten wollte. Und in der Tat, es hat gegen die Mittagszeit herum für etwa zwei Stunden aufgelockert und genau über dem CN Tower war blauer Himmel. Und in genau der Zeit bin ich hoch. Yeah! Der erste Aufzug fährt mit 22 km/h bis auf 346 m über dem Grund. Der Aufzug fährt außen am CN Tower hoch, so dass man während des Hochfahrens sieht, wie man einen Wolkenkratzer nach dem anderen unter sich lässt. Schon irre. Dort oben ist dann der große 7-stöckige Hauptteil mit Restaurant, das sich in einer Stunde einmal um den Turm dreht, mit Aussichtsplattform, mit Cafe etc. Dann geht ein weiterer Aufzug mit 11 km/h im Turm bis auf 447 m hoch. Dort oben ist der so genannte "Skypod", eine weitere Aussichtsplattform. Der Unterschied kommt einem nicht mehr so riesig vor. Aber man sieht nun sogar auf den Hauptteil herab. Schade, dass in der Ferne Wolken waren. Ich hätte doch zu gerne die Gischtwolke der Niagara Falls gesehen. Aber auch so: ein irre Erlebnis! Im untersten Stockwerk des Hauptteils ist der Boden aus über 6 cm dickem Glas, so dass man darauf stehen kann und direkt nach unten sieht. Das war witzig zu beobachten, wie da manche Leute ganz langsam und mit viel Überwindung drauf sind, andere sind sofort wieder zurückgesprungen, die Dritten haben sich nicht einmal in die Nähe gewagt. Das Glas ist so konstruiert, dass es ein Nilpferd aushält, steht in der Beschreibung zum Tower. Dann wird es ja auch uns Menschen aushalten. Unten im Fuß des Towers ist natürlich wieder Merchandising angesagt. Danach bin ich noch an der "Old City Hall", sowie an der "New City Hall" vorbei, etwas durch Chinatown gelaufen, vorbei am "Houses of Parliament" und noch einmal in den nördlichsten Teil vom "Path", da ich den gestern wohl versäumt habe. Ach ja, ich habe auch vergessen zu erwähnen, dass man bereits vom CN Tower aus in "The Path" kommt und dann vorbei am Hauptbahnhof ("Union Station") in den Hauptteil von "The Path". Ich muss mich heute in Toronto wohl schon wie ein echter Torontonian verhalten haben. Ich bin nämlich zwei Mal nach dem Weg gefragt worden. Ich hatte zwar selbst keine Ahnung, dafür aber eine gute Karte von Toronto, so dass ich doch weiterhelfen konnte. Abends bin ich in der Nähe meines Motels noch zwei Halbinseln im Lake Ontario abgelaufen. Das ist der "Humber Bay Park", sozusagen ein kleiner Stadtpark für den Stadtteil Humber. Ist wirklich nett angelegt (im Sommer bestimmt noch schöner) und mit einen super Blick auf den CN Tower. Die letzten Tage war abends weniger Routenplanung für den nächsten Tag angesagt, heute musste ich dagegen wieder ran.

Freitag, 18. Oktober 2002

Orte: Toronto, Kingston
Sehenswürdigkeiten: Marine Museum of the Great Lakes, City Hall
Route: Gardiner Expressway (Distanz: 10 km)
Don Valley Parkway (Distanz: 17 km)
401 East bis Odessa (Distanz: 224 km)
2 East (Distanz: 15 km)
Gesamtdistanz: 266 km
Übernachtung: The Welcome Traveller Motel, Kingston (44.80 can$)

Um 7:30 Uhr aufgestanden, den Kaffee getrunken, der im Motelzimmer dabei war (es war sogar Filterkaffee mit einer Kaffeemaschine) und langsam zusammengepackt. Bin dann um 9:15 Uhr los, in der Hoffnung, dass die Rush Hour vorbei ist. Ich bin etwa 100 m vom Motel entfernt auf den Gardiner Expressway gebogen und erstmal für 15 min gestanden. Ein Gefühl wie auf der B27 morgens. Aber danach lief es dann. Die wirkliche Stoßzeit muss demnach doch früher sein. Ich bin dann bis Kingston durchgefahren, da nichts spannendes unterwegs war. Ich hab wieder einmal wie üblich das erste Motel genommen, welches kam. Der Name war mir auch von einem meiner Reiseführer bekannt: "The Welcome Traveller Motel". Und umso erstaunter war ich, als ich den Preis gehört habe: 40.00 can$ (also 44.80 can$ inkl. Steuer). Das Zimmer ist zwar kein Luxusappartement, aber es ist wesentlich besser in Schuss als das vom Hillcrest Motel in Toronto. Nach dem Mittagessen hab ich dann das Auto auf den Parkplatz des "Marine Museum of the Great Lakes" (Schifffahrtsmuseum) abgestellt. Der Parkplatz ist kostenlos, sofern man das Museum besichtigt, und das hatte ich sowieso vor. Das Museum fand ich so interessant, dass ich erst über 2.5 h später da wieder rausgekommen bin (und ich hab auch ein Buch gekauft, bin halt doch ein verkappter Seemann). Dann bin ich noch bis zur City Hall gelaufen. Aber dann hat es wieder angefangen zu regnen, so dass ich zurück zum Auto bin, noch etwas zu Abend gegessen habe und dann zum Motel bin. Eigentlich hab ich Kingston ja in die Route mit aufgenommen, weil ich das berühmte Fort Henry besuchen wollte, nachdem ich aber schon Fort George, Fort Henry (die zwei hatte ich nicht in der Planung drin) sowie Sainte-Marie among the Hurons besichtigt hatte, dachte ich mir, dass es eigentlich mit Befestigungsanlagen reicht. Abends wieder Reiseplanung für den nächsten Tag. Diesmal muss ich die Spritmenge berechnen, die ich noch brauche, da ich den Tank ja so leer wie möglich zurückgeben darf. Ich werde jetzt mal 23 Liter bzw. für 17 can$ tanken und rechne mit 315 km. Mal sehen, ob ich das korrekt hinbekomme. Damit hier etwas mehr steht, will ich noch ein paar Bemerkungen zum Straßenverkehr hier in Kanada loswerden. 1) Generell ist hier ja rechtsüberholen erlaubt. Daher muss man beim Spurwechsel nach rechts wesentlich mehr aufpassen, da von hinten jemand "angeschossen" kommen kann. 2) Die LKWs dürfen hier auch bis 100 km/h auf den Highways fahren. Es passiert also nicht selten, dass man sich selbst an das Tempolimit hält (+10 km/h) und auf der linken Spur ein LKW mit 120 km/h an einem "vorbeischießt". 3) In den Städten sind die Straßenschilder hier so blöd wie nur möglich angebracht. Man sieht sie nie aus dem Winkel, den man bräuchte. Es ist wirklich so, immer stehen die Schilder irgendwie falsch.

Samstag, 19. Oktober 2002

Orte: Kingston, Morrisburg, Cornwall
Sehenswürdigkeiten: Thousand Islands Parkway, Cornwall
Route: 2 East (Distanz: 39 km)
Thousand Islands Parkway (Distanz: 38 km)
401 East (Distanz: 1 km)
2 East (Distanz: 56 km)
4 East (Distanz: 8 km)
31 North (Distanz: 1 km)
2 East bis Cornwall (Distanz: 39 km)
Gesamtdistanz: 182 km
Übernachtung: Martin's Inn, Cornwall (44.80 can$)

Als ich um 7:30 Uhr gemerkt habe, dass es regnet bin ich gleich bis 8:00 Uhr liegen geblieben. Dann aufgestanden und zusammengepackt, um 9:15 Uhr dann vom Motel weg. Bei Tim Hortons gefrühstückt und gegen 10 Uhr dann Kingston verlassen. Dann den "1000 Islands Parkway" genommen, aber da es ein völlig verregneter Tag war, war das auch nicht so der Hit. Aber die Inselchen sind schon witzig. Manche sind nur etwa 10 m auf 10 m groß, aber es steht eine Hütte drauf. Es gibt natürlich auch größere. Unterwegs hab ich eine Getreidefabrik von unwahrscheinlicher Größe gesehen: 10 Stockwerke hoch, die Vorderseite so ca. 50 m breit und die Länge nach hinten, nun da verschätzt man sich leicht, aber ich würde sagen, 300 m waren es auf jeden Fall. Ein Riesenblock! Als ich in Morrisburg ankam und es immer noch ohne Unterlass geregnet hat, hab ich beschlossen, dass das mit der Besichtigung von "Upper Canada Village", was ich eigentlich machen wollte, nichts wird, denn das ist auch wieder so ein "Living History" Museum und da muss man eben auch draußen laufen. Aber Morrisburg selber sieht auch recht nett aus: Klein und viele kleine Gebäude (Kirchen oder Verwaltungsbauten) in schönen Architekturstilen. Bin dann gleich nach Cornwall und hab das erste Motel an der Straße genommen: Martin's Inn. Die Nacht kostet wieder 40.00 can$ (44.80 can$ inkl. Steuer). Der Raum ist zwar in sehr altem Outfit, aber alles noch fein und sauber. Ich habe dann immer noch auf besseres Wetter gewartet, aber um 13:30 Uhr dann doch beschlossen, dass ich ein Indoor-Ersatzprogramm brauche. Ich bin Cornwall mal abgefahren, habe aber nichts interessantes gefunden, also bin ich (das erste Mal seit ich hier in Kanada bin) in eine Touristen-Information reingegangen. Ich hab mir eine Karte von Cornwall geben lassen und gefragt, welche Museen oder sonstige Indoor-Aktivitäten es hier gibt. Die Antwort hat mich etwas erstaunt: Im Umkreis von einer Autostunde sei nichts zu finden. Aha. Außerdem sei Upper Canada Village in Morrisburg sowieso schon seit 6. Oktober geschlossen, d.h. man kann sich die Gebäude ansehen, aber die sind zu und die Leute in historischen Gewändern laufen auch nicht rum und "spielen Alltag". Ich hatte aber mal wieder Glück und der Regen hat für 1.5 h aufgehört. Und in der Zeit bin ich dann durch Cornwall gelaufen und hab Kirchen verschiedenster Architekturstile fotografiert (da findet man einige pro Stadt). Dabei sind mir natürlich wieder einige Dinge aufgefallen: 1) Das Wohnviertel grenzt direkt an eine Müllverbrennungsanlage an und dort stinkt es fürchterlich. Keine Ahnung, wie man sowas planen kann. 2) Ich habe eine Fußgängerampel gesehen, die bei der Grünphase die Sekunden anzeigt, wie lange noch grün ist. So kann man sich entscheiden, ob es einem noch über die Straße reicht oder nicht. Witzig. 3) In Cornwall gibt es ein riesengroßes und vier Stockwerke hohes Parkhaus mitten im Stadtzentrum. Und nun der Clou: Das Parken dort ist kostenlos! Kaum war ich wieder im Auto, hat der Regen wieder kräftig losgelegt. Ich bin zurück zum Motel und werde nun alles für den Heimflug morgen checken und die Koffer umpacken (ich hab mittlerweile eine Tasche mehr als vorher, das muss wieder in den Koffer umverteilt werden).

Sonntag, 20. Oktober 2002

Orte: Cornwall, Pointe-des-Cascades, Montreal
Sehenswürdigkeit: Parc Pointe-des-Cascades
Route: 2 East bis South Lancaster (Distanz: 25 km)
401 East (Distanz: 11 km)
2 East (Distanz: 3 km)
338 Est bis Pointe-des-Cascades (Distanz: 32 km)
338 Nord (Distanz: 7 km)
20 Ouest (Distanz: 4 km)
540 Nord (Distanz: 4 km)
40 Est (Distanz: 28 km)
Gesamtdistanz: 114 km

Um 8:00 Uhr aufgestanden und alles zusammengepackt, danach bei Tim Hortons gefrühstückt. Anschließend bin ich noch etwas in Cornwall spazieren gegangen, da sogar die Sonne schien und ich den ganzen Tag noch mehr als genug herumsitzen werde. Bin dann wieder nach Quebec zurückgefahren und habe am Parc Pointe-des-Cascades Halt gemacht und bin dort noch 1.5 h gelaufen. Allerdings lohnt sich das nicht. Ich bin dann zum ersten Mal auf französischsprachiger Seite in einen McDonald's. Dort ist es nicht zweisprachig, sondern *nur* französisch ausgeschildert und die Bedienungen wissen nichtmal, was ein "McChicken Meal" ist. Ich musste es anhand der Bilder erkennen und eben dann das "Trio Poulet irgendwas" nehmen. Tsssss. Am Flughafen angekommen war es straight-forward, das Auto abzugeben. Große Hinweisschilder, kann man gar nicht verpassen, weisen einem den Weg. Und man wird auch gleich von einem Hertz-Mitarbeiter mit Namen begrüßt und bekommt eine Quittung über die Rückgabe des Fahrzeuges. Der Kilometerstand betrug 17307 und ich bin somit 2679 km gefahren. Nicht schlecht für 14 Tage, oder? Nun kam der harte Teil: Ich musste 8 h am Flughafen Montreal irgendwie überbrücken, da mein Flug erst um 23:00 Uhr ging. Fragt mich nicht wie, irgendwie hab ich die Zeit totgeschlagen. Aber wer meint, man könnte um 20:30 Uhr anfangen, einzuchecken, so dass noch keine lange Schlange am Schalter ist, der irrt! Die Schlange war schon riesig und ich musste eine halbe Stunde alleine in der Schlange zum Einchecken stehen. Aber als ich in der Schlange stand, ist sie noch auf das Doppelte angewachsen. Schon irr, was in so eine Boeing 747 alles reinpasst. Der Flug ging dann auch pünktlich los und über die Nacht hinweg. Ich hatte einen Sitz *direkt* am Notausgang. Das hatte zu Beginn Nachteile: Alle Passagiere, die nach einem an Bord gegangen sind, mussten an einem vorbei. Während des Flugs kamen dann die Vorteile zum Tragen: Man hat eine Menge Beinfreiheit! Links und rechts von mir saß je ein Däne. Beide waren sehr nett und man kam recht schnell ins Gespräch über dies und das.

Montag, 21. Oktober 2002

Orte: Amsterdam, Stuttgart

Frühstück an Bord einer 747, geschlafen hab ich in der Nacht nicht, da ich so versuchen will, den Jet Lag auszutricksen. Mal sehen, ob das klappt. Beim Aussteigen kam der nächste Vorteil des Sitzplatzes am Notausstieg: Normalerweise müssen die "normalen" Passagiere warten, bis die Passagiere der Bussiness Class ausgestiegen sind. Aber da wir drei mit der Stewardess gut klar kamen, hat sie uns erlaubt, als erste das Flugzeug zu verlassen, die anderen haben sie aber dann abgesperrt, so dass zuerst die Bussiness Class raus kommte. Cool, wa! In Amsterdam hatte ich 2.5 h Aufenthalt, was gemessen an den 8 h in Montreal ein Klacks war. Der Flug nach Stuttgart war nicht voll ausgebucht, so dass ich einen Fensterplatz hatte und die komplette Reihe in der ich saß ansonsten leer war. Um 15:30 Uhr war ich dann wieder in Stuttgart.

Schlussbemerkung

Route: Stadtverkehr und Umwege (Distanz: 434 km)

Auf Grund der Differenz der Kilometerstände als ich das Auto bekommen und als ich es wieder zurückgegeben habe und der Gesamtsumme der gefahrenen Kilometer laut meiner angegebenen Route, errechnet sich die Entfernung, die entweder im Stadtverkehr oder aber bei Umwegen zurückgelegt worden ist.

Gefahrene Gesamtstrecke: 2679 km


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Stefan Bellon (), 28-Apr-2008